kirchspiel-emsbueren.de

Wie alt ist unsere Kirchengemeinde St. Andreas Emsbüren?

Im Jahr 2012 wurden zum ersten Mal alle Urkunden von Kaiser Ludwig dem Frommen wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis: Viele bekannte Urkunden sind echt. Aber einige sind gefälscht. Das gilt leider auch von der Urkunde, in der von Emsbüren, Freren und Visbeck die Rede ist. Also: Die älteste Urkunde, auf die sich unsere Kirchengemeinde bisher berufen hat, ist eine Totalfälschung. Damit sind wir übrigens in guter Gesellschaft. Denn viele alte Urkunden im Dommuseum in Osnabrück sind ebenfalls gefälscht. Man sieht: „Fake News“, also gefälschte Informationen, gibt es nicht nur heute im Internet, die gab es schon immer. Und im Mittelalter war das Ganze noch einfacher. Es gab kein Katasteramt und keine Grundbücher. Also mussten die Eigentumsrechte mit alten Urkunden belegt und geklärt werden. Je älter die Urkunde war, umso besser. Das war damals nicht immer Betrug im eigentlichen Sinne. Oftmals gehörten Ländereien und Grundstücke wirklich schon seit Urzeiten einem Fürsten oder einer Familie. Nur hatte sie nichts in der Hand. Sie konnte es nicht beweisen. Also wurde nachgeholfen. Urkunden und Dokumente wurden gefälscht oder ganz neu geschrieben. Die Urkunde aus dem Jahr 819, in der von unserer Kirchengemeinde die Rede ist, ist so eine Fälschung.

Damit stellte sich für unsere Kirchengemeinde die Frage: Wie gehen wir damit um? Welche Konsequenzen hat das?

Als erstes haben wir mit verschiedenen Historikern gesprochen, wie sie den Sachverhalt einschätzen. Geholfen haben uns Dr. Wilhelm, vom Bischöflichen Archiv, Dr. Eiynck vom Emslandmuseum in Lingen und Prof. Vogtherr, Professor für die Erforschung des Mittelalters an der Universität Osnabrück. Alle haben uns bestätigt: Die Sachlage ist eindeutig: Die Urkunde ist eine Totalfälschung.

Am 01.02.2017 haben sich dann unser Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand mit Dr. Wilhelm getroffen. Er hat uns den Sachverhalt vorgestellt:

1. Die Urkunde aus dem Jahr 819 ist eine Totalfälschung.
2. Im 9. Jahrhundert gab es bei uns im Kirchspiel Emsbüren schon Besiedlung. Hier gab es Bauernhöfe, hier wohnten Menschen.
3. Vielleicht waren die Menschen damals schon missioniert.
Vielleicht waren sie schon Christen.
4. Vielleicht gab es um das Jahr 1000 bei uns in Emsbüren schon eine Kirchengemeinde. Vielleicht gab es schon eine Holzkirche, in der sich die Menschen zum Gottesdienst getroffen haben. All das ist möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, aber eben nicht sicher und nicht zu belegen.

Die älteste echte Urkunde in der von unserer Kirche und Kirchengemeinde in Emsbüren die Rede ist, stammt aus dem Jahr 1181, so wie es schon Frau Hermanns im Kirchenführer aus dem Jahr 1992 geschrieben hat. Diese Urkunde ist auf jeden Fall echt. Zudem sind unser Taufstein und das zugemauerte Nordportal aus dieser Zeit. Im 12. Jahrhundert hat es also schon eine Steinkirche hier bei uns in Emsbüren gegeben.

Nach einer Aussprache und Diskussion haben der Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand einstimmig folgenden Beschluss gefasst:

So wie es im Bistum Osnabrück üblich ist, wollen auch wir uns an der ältesten echten Urkunde orientieren, in der unsere St. Andreaskirchengemeinde erwähnt ist. Diese Urkunde stammt aus dem Jahr 1181. Das heißt: Das nächste große Jubiläum unserer Kirchengemeinde feiern wir im Jahr 2031.

Wir freuen uns darüber und sind auch etwas stolz, dass der Heilige Ludger, seine Mitarbeiter und seine Nachfolger hier bei uns im südlichen Emsland gewirkt haben. Das heißt: Die Christianisierung unserer Heimat hat direkt nach den Sachsenkriegen begonnen.

Da die Geschichtsforschung uns aber nicht definitiv sagen kann, ob es im 9. Jahrhundert schon unsere Kirchengemeinde, ob es eine Kirche gab und ob die Menschen sich hier regelmäßig zur Heiligen Messe trafen, haben Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat entschieden, sich an den Fakten zu orientieren, also an der ersten (echten) urkundlichen Erwähnung, und die ist von 1181.

Weil das für viele geschichtsinteressierte und heimatinteressierte Menschen sicherlich ein spannendes Thema ist, werden wir – vielleicht im Jahr 2019 – einen Geschichtswissenschaftler einladen, der uns dann genauer erklären und mit einer Power-Point-Präsentation zeigen kann, wie sich die Christianisierung hier bei uns im Kirchspiel Emsbüren und im südlichen Emsland entwickelt hat. Bis dahin empfehlen wir ihnen den Artikel von Sebastian Kreyenschulte in der Buchreihe „Emsländische Geschichte, Band 22). Dort finden Sie eine ausgezeichnete Zusammenfassung der aktuellen Geschichtsforschung zu diesem Thema.

Stephan Schwegmann, Pastor
Kirchenvorstand der St. Andreasgemeinde
Pfarrgemeinderat der St. Andreasgemeinde

(Bericht im KirchspielKurier vom 19.02.2017)

Einen Bericht bei ev1.tv finden Sie hier

« zurück